Ein Kontokorrentkredit ist ein finanzieller Puffer auf dem Geschäftskonto. Die Bank vereinbart mit dem Unternehmen einen Kreditrahmen. Innerhalb dieses Rahmens darf das Konto bei Bedarf ins Minus gehen. Sobald Geld eingeht, wird der genutzte Betrag automatisch zurückgeführt und steht danach wieder zur Verfügung.
Das ist praktisch, wenn eine Kundenrechnung erst nächste Woche bezahlt wird, Löhne oder Lieferanten aber schon heute fällig sind. Für einen dauerhaften Finanzbedarf ist diese Kreditart meist nicht gedacht. Die Zinsen liegen häufig höher als bei Krediten mit fester Laufzeit.
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Finanzberatung, Rechtsberatung oder Steuerberatung.
Schneller Überblick
Das Wichtigste in Kürze
- Der Kontokorrentkredit ist eine flexible Kreditlinie auf dem Geschäftskonto.
- Zinsen fallen für den tatsächlich genutzten Betrag und die Dauer der Nutzung an.
- Einen festen Tilgungsplan gibt es normalerweise nicht. Geldeingänge gleichen den negativen Kontostand aus.
- Manche Banken berechnen zusätzlich eine Provision für den nicht genutzten Teil der Kreditlinie.
- Sinnvoll ist die Kreditlinie vor allem für kurze und gut absehbare Liquiditätslücken.
Kontokorrentkredit kurz erklärt
Die Deutsche Bundesbank beschreibt den Kontokorrentkredit als Darlehen über ein laufendes Konto. Der Kredit kann bis zu einem vereinbarten Höchstbetrag genutzt werden. Zinsen richten sich nach der genutzten Summe und dem Zeitraum der Nutzung.
| Frage | Kurze Antwort |
|---|---|
| Wer nutzt ihn? | Vor allem Unternehmen und Selbstständige |
| Wo wird er bereitgestellt? | Auf dem Geschäftskonto |
| Wofür eignet er sich? | Für kurze Liquiditätslücken im laufenden Geschäft |
| Wie wird er zurückgezahlt? | Durch Geldeingänge auf dem Konto |
| Wann fallen Zinsen an? | Wenn und solange die Kreditlinie genutzt wird |
| Wofür eignet er sich eher nicht? | Für dauerhaft benötigtes Kapital und langfristige Investitionen |
Ein Geschäftskonto enthält nicht automatisch einen Kontokorrentkredit. Erst eine Vereinbarung mit der Bank schafft den Kreditrahmen. Die Bank legt dabei unter anderem die Höhe, den Sollzins, mögliche weitere Kosten und die Vertragsdauer fest.
Wie funktioniert ein Kontokorrentkredit?
Die Funktionsweise lässt sich in drei Schritten erklären.
- Die Bank richtet eine Kreditlinie ein. Das Unternehmen darf sein Geschäftskonto zum Beispiel bis zu 20.000 Euro ins Minus führen.
- Das Unternehmen nutzt nur den benötigten Betrag. Stehen auf dem Konto 5.000 Euro und eine Rechnung über 8.000 Euro wird bezahlt, beträgt der negative Kontostand danach 3.000 Euro.
- Geldeingänge führen den Kredit zurück. Gehen später 2.000 Euro ein, sinkt der negative Kontostand auf 1.000 Euro. Damit werden auch nur noch für 1.000 Euro weitere Sollzinsen berechnet.
Für einzelne Zahlungen innerhalb des vereinbarten Rahmens ist kein neuer Kreditantrag nötig. Genau darin liegt der wichtigste Unterschied zu einem Kredit, der einmal ausgezahlt und danach nach einem festen Plan getilgt wird.
Welche Zinsen und Kosten entstehen?
Der Sollzins ist der wichtigste Kostenpunkt. Seine genaue Höhe hängt von der Bank, der Bonität des Unternehmens, der Höhe der Kreditlinie und dem Vertrag ab. Einen allgemeinen Kontokorrentzinssatz, der für alle Unternehmen gilt, gibt es deshalb nicht.
Für die tatsächlichen Zinskosten sind drei Werte wichtig.
- Der genutzte Betrag
- Der jährliche Sollzins
- Die Anzahl der Nutzungstage
Eine einfache Beispielrechnung lautet:
genutzter Betrag × jährlicher Sollzins × Nutzungstage ÷ 365
Der Vertrag kann eine andere Zinsmethode vorsehen. Deshalb ist die Formel eine verständliche Näherung und keine Vorhersage der Bankabrechnung.
Beispiel für die Zinsberechnung
Ein Unternehmen nutzt 12.000 Euro für 30 Tage. Für das Beispiel wird ein jährlicher Sollzins von 10 Prozent angenommen.
12.000 Euro × 0,10 × 30 ÷ 365 = 98,63 Euro
Unter diesen Annahmen entstehen 98,63 Euro Sollzinsen. Der Zinssatz von 10 Prozent ist nur ein Rechenwert. Er stellt weder ein aktuelles Angebot noch einen üblichen Marktwert dar.
Wenn sich der Kontostand während der 30 Tage verändert, muss die Rechnung in einzelne Zeiträume aufgeteilt werden. Werden nach 10 Tagen zum Beispiel 4.000 Euro zurückgeführt, fallen ab diesem Zeitpunkt nur noch Zinsen auf 8.000 Euro an.
Kosten für den ungenutzten Kreditrahmen
Neben dem Sollzins kann eine Bereitstellungsprovision vereinbart sein. Dann kostet auch der Teil der Kreditlinie Geld, der gerade nicht genutzt wird. Der IHK Leitfaden zur Unternehmensfinanzierung weist ausdrücklich darauf hin.
Ein hoher Kreditrahmen ist daher nicht automatisch besser. Er sollte groß genug für realistische Schwankungen sein, aber nicht ohne Grund deutlich darüber liegen. Für einen sauberen Vergleich sollten Unternehmen neben dem Sollzins auch Provisionen, weitere Entgelte und die Art der Zinsberechnung prüfen.
Vorteile und Nachteile auf einen Blick
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Nach der Zusage schnell nutzbar | Häufig teurer als ein Kredit mit fester Laufzeit |
| Nur der benötigte Betrag wird abgerufen | Kosten steigen, wenn die Rückzahlung später kommt |
| Geldeingänge führen den Kredit automatisch zurück | Auch der ungenutzte Rahmen kann Geld kosten |
| Die freie Linie kann erneut genutzt werden | Eine dauerhafte Nutzung kann ein tieferes Liquiditätsproblem verdecken |
| Hilft bei kurzen Abständen zwischen Einzahlungen und Auszahlungen | Der verfügbare Betrag endet am vereinbarten Limit |
Die Flexibilität ist der große Vorteil des Kontokorrentkredits. Sie ist aber auch der Grund, warum die Nutzung leicht zur Gewohnheit werden kann. Ein fehlender fester Tilgungsplan bedeutet nicht, dass die Rückzahlung beliebig lange warten sollte.
Wann kann ein Kontokorrentkredit sinnvoll sein?
Er kann passen, wenn eine Liquiditätslücke kurz ist und ein realistischer Zahlungseingang zur Rückführung absehbar ist. Typische Beispiele sind:
- Eine Kundenrechnung wird später bezahlt als eine Lieferantenrechnung.
- Material für einen Auftrag muss vor dem Zahlungseingang gekauft werden.
- Löhne, Miete oder Versicherungen werden vor einem erwarteten Umsatz fällig.
- Ein saisonaler Engpass soll für kurze Zeit ausgeglichen werden.
- Eine Rechnung soll früh bezahlt werden, weil der Skonto höher als die Finanzierungskosten ist.
Beim Skonto zählt der genaue Vergleich. Neben den Zinsen müssen auch mögliche Provisionen und der tatsächliche Nutzungszeitraum berücksichtigt werden.
Wann passt eine andere Finanzierung besser?
Ein Kontokorrentkredit passt weniger gut, wenn der Geldbedarf über längere Zeit bestehen bleibt. Das gilt zum Beispiel für eine Maschine, ein Fahrzeug oder einen Umbau, der über Jahre genutzt wird. Dafür ist ein Investitionskredit mit passender Laufzeit und Tilgung oft leichter zu planen.
Auch ein ständig ausgeschöpfter Kreditrahmen ist ein Warnzeichen. Mögliche Hinweise auf einen dauerhaften Finanzierungsbedarf sind:
- Der Kontostand kommt trotz regelmäßiger Einnahmen kaum aus dem Minus.
- Erwartete Rückzahlungen werden immer wieder verschoben.
- Laufende Betriebsausgaben werden dauerhaft über die Kreditlinie bezahlt.
- Die Linie finanziert eine Anschaffung, die langfristig genutzt wird.
- Die Zinskosten steigen, ohne dass die Ursache der Geldlücke geklärt wird.
In diesem Fall lohnt sich ein neuer Blick auf Einnahmen, Ausgaben und Zahlungsfristen. Der IHK Leitfaden empfiehlt, kurzfristigen Bedarf mit kurzfristigen Mitteln und langfristig gebundenes Vermögen mit einer langfristigen Finanzierung zu verbinden.
Wie hoch sollte die Kreditlinie sein?
Eine pauschale Grenze nach Umsatz passt nicht zu jedem Unternehmen. Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist die eigene Liquiditätsplanung.
- Tragen Sie die erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen nach ihrem Fälligkeitstag ein.
- Suchen Sie den höchsten vorübergehenden Fehlbetrag.
- Prüfen Sie, wie sicher die eingeplanten Zahlungseingänge sind.
- Ergänzen Sie nur einen begründeten Puffer für normale Schwankungen.
- Vergleichen Sie die Kosten dieser Linie mit einer kleineren oder anders aufgebauten Finanzierung.
Dabei sollte klar sein, aus welchen Einnahmen der genutzte Betrag wieder zurückgeführt wird. Ein größerer Rahmen schafft zwar mehr Luft. Er kann aber zusätzliche Kosten verursachen und ersetzt keine tragfähige Planung.
Kontokorrentkredit, Betriebsmittelkredit und Investitionskredit
Ein Betriebsmittelkredit beschreibt vor allem den Zweck der Finanzierung. Er finanziert zum Beispiel Waren, Material oder laufende Ausgaben. Ein Kontokorrentkredit kann für diesen Zweck eingesetzt werden. Daneben gibt es Betriebsmittelkredite mit fester Auszahlung, Laufzeit und Tilgung.
| Merkmal | Kontokorrentkredit | Betriebsmittelkredit mit Laufzeit | Investitionskredit |
|---|---|---|---|
| Typischer Zweck | Kurze Liquiditätslücke | Planbarer Bedarf an Betriebsmitteln | Langfristig genutzte Anschaffung |
| Auszahlung | Nach Bedarf über das Geschäftskonto | Als vereinbarter Kreditbetrag | Als vereinbarter Kreditbetrag |
| Rückzahlung | Durch Geldeingänge ohne festen Tilgungsplan | Nach vereinbartem Tilgungsplan | Nach vereinbartem Tilgungsplan |
| Erneute Nutzung | Innerhalb der freien Linie möglich | Nicht automatisch | Nicht automatisch |
| Typischer Zeitraum | Kurzfristig | Je nach Vertrag kurz oder mittelfristig | Mittel oder langfristig |
Der Name eines Kredits allein reicht für die Entscheidung nicht aus. Wichtiger sind der genaue Zweck, die benötigte Dauer, die geplante Rückzahlung und die Gesamtkosten.
Was prüft die Bank?
Vor der Zusage prüft die Bank, ob die Kreditlinie zum Unternehmen und zu seiner wirtschaftlichen Lage passt. Welche Unterlagen sie verlangt, hängt vom Einzelfall ab. Häufig spielen aktuelle Geschäftszahlen, Jahresabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen, die Liquiditätsplanung und vorhandene Sicherheiten eine Rolle.
Sicherheiten sind nicht bei jedem Vertrag gleich. Auch ihre Bewertung kann sich von Bank zu Bank unterscheiden. Die Beiträge zur Sicherungsabtretung und Sicherungsübereignung erklären zwei mögliche Formen. Ob sie für einen bestimmten Kontokorrentkredit akzeptiert werden, entscheidet die Bank.
Fragen für das Bankgespräch
Vor dem Abschluss sollten diese Punkte verständlich beantwortet sein:
- Wie hoch ist der Kreditrahmen und wie wurde er festgelegt?
- Wie hoch ist der Sollzins?
- Ist der Sollzins fest oder kann er sich ändern?
- Nach welcher Methode und in welchen Abständen rechnet die Bank die Zinsen ab?
- Gibt es eine Bereitstellungsprovision oder weitere Kosten?
- Welche Sicherheiten verlangt die Bank?
- Wie lange gilt die Vereinbarung?
- Unter welchen Bedingungen kann die Kreditlinie geändert oder beendet werden?
- Welche Unterlagen erwartet die Bank regelmäßig?
- Welche Finanzierung wäre günstiger, wenn der Bedarf länger anhält?
Es lohnt sich, die Antworten schriftlich festzuhalten und mehrere Angebote mit demselben Betrag und derselben erwarteten Nutzungsdauer zu vergleichen.
Mögliche Alternativen
Je nach Ursache und Dauer des Geldbedarfs kommen andere Lösungen infrage:
- Ein Kredit mit fester Laufzeit und planbarer Tilgung
- Ein Förderkredit für ein passendes Vorhaben
- Ein längeres Zahlungsziel beim Lieferanten
- Factoring für geeignete Kundenforderungen
- Leasing für geeignete Investitionsgüter
- Eine eigene Liquiditätsreserve oder zusätzliches Eigenkapital
Keine Lösung ist immer die beste. Ein fairer Vergleich nutzt denselben Betrag, denselben Zeitraum und realistische Annahmen zu Rückzahlung und Nebenkosten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kontokorrentkredit und Dispokredit?
Beide sind Kreditlinien auf einem laufenden Konto. Der Kontokorrentkredit wird vor allem für Geschäftskunden verwendet. Der Dispokredit ist die entsprechende Überziehungsmöglichkeit für Privatkunden. Das bestätigt auch die Deutsche Bundesbank in ihrer Begriffsbestimmung.
Fallen Kosten an, wenn die Kreditlinie nicht genutzt wird?
Sollzinsen fallen dann nicht an, weil kein Kreditbetrag genutzt wird. Trotzdem kann eine Bereitstellungsprovision für den freien Kreditrahmen vereinbart sein. Maßgeblich ist der konkrete Vertrag.
Hat ein Kontokorrentkredit eine feste Laufzeit?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten. Laufzeit, Prüfung, Verlängerung und Kündigung richten sich nach der Vereinbarung mit der Bank. Unternehmen sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass die Kreditlinie dauerhaft unverändert zur Verfügung steht.
Wird der Kredit durch einen Zahlungseingang automatisch zurückgezahlt?
Ja. Ein Zahlungseingang verringert zunächst den negativen Kontostand. Dadurch sinkt auch der Betrag, auf den weitere Sollzinsen anfallen. Nach dem vollständigen Ausgleich kann der freie Rahmen innerhalb der Vertragsbedingungen erneut genutzt werden.
Ist der Kontokorrentkredit dasselbe wie ein Betriebsmittelkredit?
Nicht ganz. Betriebsmittelkredit beschreibt den Zweck. Kontokorrentkredit beschreibt die Nutzung als flexible Linie über das Geschäftskonto. Ein Kontokorrentkredit kann also ein Betriebsmittelkredit sein, aber nicht jeder Betriebsmittelkredit ist als Kontokorrentlinie aufgebaut.